From Einstein to the Frontiers of Medical and Brain Research

Bericht der Konferenz vom 21. Mai 2017 im China Club Berlin, Behrenstr. 72, 10117 Berlin

v.l: Idan Segev, Ursula Plöckinger, Hanoch Gutfreund, Aviv Mezer, Günter Stock

Die Themen und ihre Referenten:

Breakthroughs in Brain Research at the Edmond & Lily Safra Center for Brain Sciences
Prof. Dr. Idan Segev Head of the Department of Neurobiology, and Director of the Max Planck Center, Hebrew University of Jerusalem

Prof. Segev skizzierte als Leiter des neuen Max Planck Center die Bereiche, in denen hier geforscht wird. Sie umfassen sowohl Ingenieurwissenschaften als auch Biologie und kognitive Neurowissenschaften. Die Zusammenarbeit unter einem Dach macht wichtige Kooperationen möglich.

Unter anderem wird auch an der Entschlüsselung von Genomen geforscht. So kann man anhand der Knochen ausgestorbener Arten ihre ganze DNA entschlüsseln. Das ist eine Möglichkeit, die Entwicklung des Menschen vom Neandertaler bis zum modernen Homo Sapiens zu untersuchen. Wichtige Unterstützung bieten die immer leistungsfähigeren und dabei günstigeren Computer. Vor 13 Jahren kostete ein Vorgang vier Millionen Dollar, heute dasselbe nur noch 1000 Dollar.

Segev sprach auch über noch nicht veröffentliche Erkenntnisse aus dem Bereich der Hirnforschung und die neue Kooperation mit Medizinern. Bei ohnehin stattfindenden Operationen am Hirn wird das entnommene Gewebe nun auch für die Erforschung der Nervenzellen genutzt. Dies wurde schon seit längerem bei Mäusen gemacht. Die so gesammelten Erkenntnisse können nun mit den Daten der menschlichen Zellen verglichen werden um herauszufinden, was das einmalige an menschlichen Zellen ist.

Ziel dieser Forschung ist, Ursachen für Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer zu finden, um sie besser bekämpfen zu können.

Changes in Human Brain White Matter in Normal Aging and Multiple Sclerosis Patients
Dr. Aviv Mezer, Edmond and Lily Safra Center for Brain Sciences (ELSC), Hebrew University

Dr. Mezer beschäftigt sich mit der weißen und der grauen Materie im Hirn und damit, welchen Einfluss das Wachstum der jeweiligen Materie auf die Funktionsfähigkeit des Hirns hat. In der weißen Materie – Myelin – findet elektrische Kommunikation zwischen den Nervenzellen statt. Sie wächst mit dem Alter. Hier werden die Signale vom Auge zum Hirn gemessen. Finden sie nur verzögert statt, sind also Sehstörungen vorhanden, ist das ein Symptom für Multiple Sklerose (MS). Weitere Möglichkeiten, diese Signale zu untersuchen, bestehen im MRI Scanner und auch im Messen des Wasserflusses. Er wird mit wachsendem Alter geringer. Bei Störungen kann auch das auf MS hindeuten.

In Zukunft sollen die Möglichkeiten der Messungen verbessert werden, um weitere Funktionen erforschen.

Orphan Diseases - Achievements and unmet medical needs in Gaucher Diseases
Prof. Dr. med.
Ursula Plöckinger, Head of Stoffwechselzentrum and assistant medical doctor, Charité - Universitätsmedizin Berlin

Als Moderator der Konferenz fungierte der Vorsitzende der Freunde der Hebräischen Universität Jerusalem in Deutschland e.V., Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Stock, links: Prof. Ursula Plöckinger

Bei Krankheiten des metabolistischen Systems liegt oft eine genetische Disposition vor, führte Prof. Plöckinger in ihr Fachgebiet ein. Dabei können alle Organe befallen sein. Besonderes Merkmal ist die gestörte Kommunikation in den ph-Werten der Zellen. Es gibt rund 70 verschiedene Krankheiten, darunter Morbus Gaucher. Diese Krankheit kommt zu einem signifikant höheren Prozentsatz bei Juden und bei Türken im Verhältnis 1:1000 vor als bei anderen Ethnien. Entdeckt wurde die Krankheit von Philip Gaucher Ende des 20. Jahrhunderts. Da die Symptome auf viele Krankheiten zutreffen, muss die Diagnose alle erfassen. Zum Beispiel kommt es auch zu Manifestationen in Organen wie in der Leber oder in den Knochen.

Die Therapie ist teuer (ca. 30.000 € jährlich) und dauert lebenslänglich. Sie kann als Infusion oder in Tablettenform erfolgen. Man kann mit einer solchen Krankheit auch alt werden, allerdings verläuft sie ohne Behandlung schmerzhaft.

1) Einstein's Legacy - the Scientific and the Humanitarian

2) Albert Einstein and Max Planck - Friends in Dispute

Prof. Dr. Hanoch Gutfreund, Professor Emeritus in Theoretical Physics, former President and Rector, Hebrew University of Jerusalem

Der Direktor des Albert Einstein Archivs an der Hebräischen Universität Jerusalem, Prof. Gutfreund, hielt zwei Vorträge über den großen Wissenschaftler, den ersten bei der Konferenz, den zweiten beim anschließenden Dinner.

Gutfreund trug vor, dass Einstein auch einer der Gründerväter der Universität war. Unterlagen im Archiv belegen sein Engagement für die zionistische Bewegung, nachdem er persönlich, schon Nobelpreisträger, Antisemitismus beobachtete und erlebte.

Gutfreund hob den einzigartigen Einfluss von Einstein auf die Physik hervor und den einzigartigen Einfluss auf ein bestimmtes Weltbild. Einsteins Manifest für die Wissenschaft beinhaltete, den Blick auf die ganze Welt zu richten – nicht nur auf den eigenen kleinen Bereich.  Generalisieren war seine Methode, die Epistomologie (Fragen nach den Voraussetzungen für Erkenntnis, dem Zustandekommen von Wissen und anderen Formen von Überzeugungen) seine Wertevorstellung. Um das zu erklären brachte Gutfreund die biografischen Hintergründe zur Entstehung von Einsteins wissenschaftlichen Entwicklungen in Zusammenhang.

Im zweiten Vortrag ging es um das besondere Verhältnis zwischen Albert Einstein und Max Planck. Planck darf ohne Übertreibung der Entdecker Einsteins genannt werden, denn er gehörte zu den ersten prominenten Physikern, welche die fundamentale Bedeutung der Einstein’schen Arbeiten aus dem Jahre 1905, insbesondere der Relativitätstheorie, erkannten und ihre Verbreitung förderten.

An der Konferenz haben rund 60 Personen teilgenommen. Darunter waren sowohl Fachleute aus dem Bereich Medizin oder Pharmazie, aber auch Personen, die in staatlichen Institutionen oder in Stiftungen mit ähnlichen Themen zu tun haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Dr. Markus Leyck Dieken, Geschäftsführer TEVA GmbH

 

 

Beim Dinner sprach der Kooperationspartner des Max-Planck-Center, Nobelpreisträger Prof. Dr. Bert Sakmann vom Max Planck Institut für Neurobiologie in Martinsried ein Grußwort. Darin ging es um die Würdigung der bisherigen, erfolgreichen Kooperation mit der HUJ und die künftige Zusammenarbeit.

Konferenzsprache war englisch.

Am Rand der Konferenz tauschten sich die Wissenschaftler aus Israel und Deutschland aus über ihre Forschung und über mögliche weitere Zusammenarbeit.

Die Teilnehmer gaben überaus positives feedback. Die Veranstaltung dauerte insgesamt acht Stunden.

rechts: Moderatorin des Abendprogramms war die Fernsehjournalistin Astrid Frohloff

 

Einige der Sponsoren und Spender:

   

 

 Bericht von Maya Zehden, Geschäftsführerin FHUJ, alle Fotos © lightningboltstudio